Sind die Schokoladenprodukte von Lindt & Sprüngli Fair Trade?

Aron P. Schneider
Von Aron P. Schneider
 

Fair Trade Schokolade ist in aller Munde, egal ob an Weihnachten, Ostern oder unter dem Jahr. Immer mehr Menschen kaufen Produkte aus fairem Handel aufgrund des gestärkten Bewusstseins für einen gerechten Welthandel. Genauso wichtig sind ihnen nebst hoher Qualität auch naturnahe Landwirtschaft, Umweltschutz durch nachhaltige Anbaumethoden, Verbot von Pestiziden und damit auch die eigene Gesundheit.

Bestimmte Lebensmittel und sogar ganze Branchen werden oft mit Fair Trade in Verbindung gebracht. Ein Beispiel für ein solches Nahrungsmittel ist der Kakao – und damit auch die Schokolade. Gerade bei Schokolade legen Verbraucher grossen Wert auf Fair Trade, denn Schokolade ist etwas Besonderes und jeder will sie in ihren Formen und Geschmacksrichtungen noch lange geniessen können.

Fair Trade ist nicht nur ein Begriff, sondern es ist eine bewusste Entscheidung, die Bauern in den Erzeugungsländern zu unterstützen. Kein Wunder, denn zum Beispiel in den westafrikanischen Hauptanbaugebieten wird Kakao zu 90 Prozent in kleinbäuerlichen Betrieben auf jeweils weniger als 5 Hektar Land angebaut. Unter anderem in Ghana wächst auch eine der Kakaobohnensorten, die für Lindt & Sprüngli zu Schokolade verarbeitet wird. Da Nachhaltigkeit ein zentraler Bestandteil der Firmenphilosophie und fest in der Unternehmensstrategie verankert ist, hat Lindt & Sprüngli ebenfalls eine aktive Entscheidung getroffen, ein nachhaltiges Beschaffungsprogramm – das Lindt & Sprüngli Farming Program – aufzubauen.

Für uns, den Konsument, heisst das: wir können Schokolade weiterhin mit gutem Gewissen geniessen.

Fair Trade: Ein Begriff – viele Bedeutungen

Fairer Handel hat das Ziel die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten und Arbeiter zu verbessern und mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel zu erreichen. Eine faire und transparente sowie partnerschaftliche Geschäftsbeziehung zwischen Produzenten und Käufern ist dabei zentral. Bei Fair Trade geht es nicht nur um faire Preise sondern auch um soziale und ökologische Kriterien und darum, eine nachhaltige Verbesserung für Produzenten in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu erreichen. Wer als Verbraucher fairen Handel unterstützen möchte, hat heutzutage eine grosse Auswahl: Von Kaffee, Saft und Tee bis hin zu Schokolade, Nüssen, sogar Textilien und Möbeln ist alles dabei.

Gängige Organisationen, die sich für den fairen Handel einsetzen sind etwa Fair Trade Max Havelaar, die World Fair Trade Organization, mercifair oder Gebana. Selbstverständlich gibt es noch viel mehr Organisationen, einige davon sind auch über die Landesgrenzen hinaus sehr bekannt.

Und was hat Lindt & Sprüngli mit allen gemeinsam? Lindt & Sprüngli teilt die Ziele für einen nachhaltigen Kakaoanbau und eine partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Produzenten. Das Unternehmen hat aber beschlossen, eigene Wege zu gehen und ein nachhaltiges Beschaffungsmodell mit dem Namen „Lindt & Sprüngli Farming Program“ aufzubauen.

Wie faire Schokolade entsteht – „from bean to bar“

Lindt & Sprüngli ist eines der wenigen Schokoladenunternehmen, das jeden Schritt –  von der Auswahl der Kakaobohnen bis hin zur fertigen Praline oder Tafel Schokolade – rück- und nachvollziehen kann. Dieser „bean to bar“ Ansatz ist für uns die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette und hilft sicherzustellen, dass soziale, ökologische und ökonomische Aspekte beim Kakaoanbau kontinuierlich verbessert werden.

Mit dieser Grundlage wurde im Jahr 2008 das Lindt & Sprüngli Farming Program in Ghana ins Leben gerufen. Seit 2016 ist die gesamte Kakaobohnenlieferkette aus Ghana vollständig rückverfolgbar und extern verifiziert. Der sichtbare Fortschritt und die Erfolge in Ghana haben Lindt & Sprüngli darin bestätigt, das Programm auf andere Länder auszuweiten. Mittlerweile wurde das Lindt & Sprüngli Farming Program in Ecuador, Madagaskar, Papua-Neuguinea und der Dominikanischen Republik etabliert und über 72 500 Bauern nehmen daran teil. Das Ziel bis 2020: 100% der Kakaobohnen sollen dann aus dem Lindt & Sprüngli Farming Program stammen, rückverfolgbar und extern verifiziert.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  • Wir wollen wissen, wer die Bauern sind, die den wichtigsten Rohstoff für unsere Produkte herzstellen. Dies ist die Grundlage, um sie und ihre Gemeinschaften direkt zu unterstützen und ein nachhaltiges Beschaffungsmodell sicherzustellen.
  • Eigene, umfassende Kontrolle über jeden einzelnen Schritt in der Produktionskette von Kakaobohnen.
  • Massenbilanz ist keine Option für uns. (Mehr zum Thema: https://utz.org/de/better-business-hub/nachhaltiger-einkauf/fuenf-dinge-massenbilanz/.)
  • Das erarbeitete Beschaffungsmodell umfasst den gesamten Kakaobohnenbeschaffungsprozess und ist nicht auf einzelne Produktgruppen begrenzt.

Was für Lindt & Sprüngli zudem wichtig ist: Durch das Programm erzielen die Bauern höhere Produktivität, verbessern ihre Lebensbedingungen und generieren ein grösseres Einkommen.
 
Die Bauern, ihre Familien und die Dorfgemeinschaft stehen somit im Mittelpunkt des Programms und Lindt & Sprüngli stellt sicher, dass sie alle direkt von der finanziellen Unterstützung profitieren.

Wie profitieren die Bauern genau vom Farming Program?

Das Ziel des Lindt & Sprüngli Farming Program sind bessere Lebensgrundlagen für die Kakaobauern und eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft. Dies soll erreicht werden durch höhere Produktivität der Farmen (mehr Ernte), diversifizierte Einkommen und verbesserte Resilienz der Bauern, Konservierung der Biodiversität und von natürlichen Ökosystemen und verbesserte Infrastruktur in den Gemeinden. Im Jahr 2020 sollen 100% der Kakaobohnen aus dem eigenen Programm stammen. Die Bauern können sich weiterbilden, ihre Anbaumethoden verbessern oder Schulungen zum Thema Umweltschutz und biologische Vielfalt besuchen. Ebenfalls erhalten die Farmer Informationen zum Beispiel zum Thema Arbeitssicherheit, Kinderarbeit oder persönliche Gesundheit.
 
Das Farming Programm setzt sich aus vier Elementen zusammen:

  1. Das erste Element beginnt mit der Organisation der Bauern in Gruppen, der Einrichtung von Systemen für die Rückverfolgbarkeit der Kakaobohnen und dem Sammeln grundlegender Daten, um die Bedürfnisse der Bauern und ihren Gemeinschaften zu ermitteln.
  2. Das zweite Element beinhaltet die Vermittlung von Fachwissen und Kompetenzen an die Bauern. Durch theoretische und praktische Schulungen oder Einzelberatungen lernen die Bauern landwirtschaftliche Methoden, alles über den Anbau, das Ernten, die Fermentation und die Trocknung der Kakaobohnen. Dazu kommen Schulungen zum Thema Umweltschutz, Arbeitssicherheit und -standards sowie Wissen zur Sicherstellung der eigenen Gesundheit. Weiter finden Workshops zum Thema Geschäftspraktiken statt, so dass die Bauern lernen, wie sie ihre Farmen als Unternehmen professionell führen und ihr Einkommen diversifizieren können.
  3. Das dritte Element beschäftigt sich mit der Unterstützung der Bauern und Gemeinschaften. Das kann Bereiche wie etwa den Bau von Wassersystemen und Bohrlöchern für sauberes Trinkwasser beinhalten, aber auch die Sanierung von Grundschulen zur Bekämpfung des Risikos von Kinderarbeit oder das Bereitstellen von Anbauzubehör (z.B. Gummistiefel, Schnittwerkzeuge oder Dünger) und Kakaosetzlingen oder Schattenbäumen.
  4. Das vierte Element, die Verifizierung, gewährleistet eine Auswertung der Effektivität der verschiedenen Aktivitäten und ständige Verbesserung des Programms. Genauer heisst das:
    • Jährliche Besuche bei allen Bauern im Programm durch Feldmitarbeiter zur internen Überprüfung.
    • Jährliche externe Überprüfung durch «The Earthworm Foundation», inklusive Besuche jedes Programms.
    • Identifikation, Diskussion und Durchführung von Verbesserungen, falls nötig.

Mit dem Lindt & Sprüngli Farming Program möchten wir unseren Beitrag an einen fairen Kakaobohnenhandel leisten.

 

Über den Autor

Aron P. Schneider

arbeitet als Project Manager Group Communications bei Lindt & Sprüngli.