Nachhaltigkeit bei Lindt & Sprüngli

Martin Hug Group CFO Lindt & Sprüngli
Von Martin Hug
 

Herr Hug, weshalb ist für Sie Nachhaltigkeit wichtig?

Für mich persönlich ist sie wichtig, weil ich meinen Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen möchte. Diese drei Aspekte sind unternehmerisch gesehen sehr eng miteinander verknüpft, d.h. der ökonomische Erfolg eines Unternehmens ist ohne soziale und ökologische Nachhaltigkeit in Gefahr. Deshalb hat Nachhaltigkeit für mich als CFO der Lindt & Sprüngli Gruppe eine hohe Bedeutung. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt die wesentlichen Fragestellungen zu den drei Aspekten und strukturiert sie entlang der Wertschöpfungskette in den drei Bereichen Einkauf, Produktion und Konsum. Gibt es aus diesen drei Bereichen Einkauf, Produktion und Konsum einzelne Aspekte, die Sie für Lindt & Sprüngli als besonders zentral erachten? Grundsätzlich sind alle Themenbereiche, die wir in unserer Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt haben, sehr wichtig und wir wollen uns in all diesen Bereichen kontinuierlich verbessern. Als besonders wichtig möchte ich zwei Themen nennen: den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Produzenten unserer Agrarrohstoffe sowie die Nachhaltigkeit unserer Rohstoffe, insbesondere von Kakaobohnen. Wir haben deshalb mit dem Lindt & Sprüngli Farming Program ein eigenes Beschaffungssystem aufgebaut und haben es aktuell bereits in fünf Ländern umgesetzt.

 

Weshalb ist das Farming Program für Lindt & Sprüngli der richtige Weg und was macht den Erfolg des Programms aus?

Als Hersteller von Premium-Schokolade zielen unsere Nachhaltigkeitsbemühungen sowohl auf die gesamte Lieferkette von Kakao als auch auf den Bedarf an Kakao für alle Produkte der Lindt & Sprüngli Gruppe ab. Bis 2020 soll unsere gesamte Kakaobohnenlieferkette vollständig rückverfolgbar und extern verifiziert sein, d.h. aus allen Herkunftsregionen. Das erreichen wir mit unserem Lindt & Sprüngli Farming Program. Damit haben wir die Kontrolle über jeden Schritt der Produktionskette und können unsere eigenen Systeme und Prozesse unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit integrieren. Wir übernehmen damit selbst Verantwortung für alles, was wir tun, und verlagern die Verantwortung nicht auf andere. Im Zentrum unserer Bemühungen stehen die Bauern, ihre Familien, die Arbeitenden und die betroffenen Gemeinden. Wir stellen damit sicher, dass die Investitionen auch wirklich die Bauern und ihre Gemeinden erreichen, und wir haben direkte Kontrolle darüber, wohin das Geld fliesst und wofür es verwendet wird. Langfristige und stabile Partnerschaften mit Lieferanten sind ein zentraler Erfolgsfaktor für unsere Premium-Produkte.

 

Gewissen Nichtregierungs- und Konsumentenschutzorganisationen geht es trotz aller nachhaltigen Bemühungen immer noch zu langsam vorwärts. Wie geht Lindt & Sprüngli mit solcher Kritik um?

Wir schätzen konstruktive Kritik, egal ob von Nichtregierungsorganisationen, Analysten, Investoren oder Konsumenten. Wir nehmen jede Rückmeldung ernst, analysieren sie und ergreifen, falls notwendig, Massnahmen. Dies ist Teil unseres Verständnisses einer erstklassigen Qualitätssicherung, wie es sich für einen Hersteller von Premium-Schokolade gehört.

 

Welche Ziele gibt es in den Bereichen Produktion und Konsum und was haben Sie hier erreicht?

Im Bereich der nachhaltigen Produktion hat sich Lindt & Sprüngli das Ziel gesetzt, den Energieverbrauch und den Wasserverbrauch sowie den Ausstoss von CO2 jährlich im Durchschnitt um 2% zu reduzieren. Diese Ziele gelten nicht absolut, sondern pro produzierte Tonne. Wir wollen also immer effizienter werden. 2017 haben wir bei den Einsparungen die gesetzten Ziele erreicht. Gegenüber 2015 ist der Energieverbrauch insgesamt um 6% zurückgegangen. Der Rückgang beim Wasserverbrauch betrug gruppenweit sogar 10%. Und bei den CO2-Emissionen liegt der Rückgang bei 7%. Ein weiterer Bereich, der bei Lindt & Sprüngli höchste Priorität hat, ist die Sicherheit am Arbeitsplatz. Unsere Vision lautet, dass es zu null Unfällen mit Ausfallzeit kommt. Wir haben in diesem Bereich 2017 weitere Massnahmen ergriffen, die Vision aber noch nicht erreicht. Im Bereich Konsum arbeiten wir an verschiedenen Themen. Wir sind dabei stetig bestrebt, unsere Kommunikation mit unseren Konsumentinnen und Konsumenten zu verbessern. 2017 haben wir deshalb die neue Microsite über das Lindt & Sprüngli Farming Program lanciert. Diese interaktive und konsumentenfreundliche Seite werden wir auch 2018 weiter ausbauen, um die relevanten Anspruchsgruppen über die Fortschritte zu informieren, die wir mit dem Lindt & Sprüngli Farming Program erzielen.

 

Und wie geht es weiter? Was ist für Sie der nächste Meilenstein im Bereich Nachhaltigkeit?

Unser Fokus liegt klar auf dem Bereich Einkauf: Wir sind auf gutem Weg, bis 2020 unser Ziel zu erreichen, dass 100% der Kakaobohnen rückverfolgbar und verifiziert beschafft werden. Wir müssen hier aber konsequent den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Basierend auf erfolgreichen Pilotprojekten wollen wir 2018 das Kakaobuttervolumen mit Bohnen aus Nachhaltigkeitsprogrammen auf 20% steigern. Ebenfalls sollen bis 2020 die ganzen unverarbeiteten Haselnüsse, die wir aus der Türkei beschaffen, zu 100% aus Nachhaltigkeitsprogrammen stammen. Damit werden wir weitere wichtige Meilensteine in der nachhaltigen Rohstoffbeschaffung erreicht haben. Daneben wollen wir aber auch bei der Ressourceneffizienz weiter Boden gutmachen. Unsere Prioritäten scheinen also klar für die nächsten Jahre. Im Dialog mit unseren Anspruchsgruppen erarbeiten wir zusätzlich weitere Themen, die wichtig werden könnten.

 

Über den Autor

Martin Hug

seit Anfang 2017 CFO der Lindt & Sprüngli Gruppe und so in dieser Funktion als Verantwortlicher des Sustainability Executive Teams tätig. Dieses Team gewährleistet, dass die Nachhaltigkeitsinitiativen in der gesamten Gruppe umgesetzt werden.