Ecuador, zwei Jahre Leben und Arbeiten in der Welt des Kakaos

Stefanie Streule next to a cocoa tree
Von Stefanie Streule
 

Anfangs 2017 bin ich in Ecuador in die spannende Welt des Kakaos eingetaucht und darf seitdem hautnah erfahren, wie Kakao fermentiert und getrocknet wird und wie die täglichen Routinearbeiten von den Bauern und den Kakao-Zwischenhändlern bewältigt werden und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.

Ich arbeite hier an einem rund zweijährigen Forschungsprojekt der ZHAW (https://www.zhaw.ch/de/lsfm/institute-zentren/ilgi/biotechnologie/), das durch die «Lindt Chocolate Compentence Foundation» unterstützt wird. Das Projekt befasst sich intensiv mit dem Nachernteprozess von Kakao an ausgewählten Orten in Ecuador.

Während rund 1.5 Jahren konnten wir sehr viele Erfahrungen und Erkenntnisse über den Fermentations- und Trocknungsprozess gewinnen. All diese Resultate wurden schliesslich für die letzte Projekt-Phase ins «Lindt & Sprüngli Farming Program» implementiert. Zudem erhalten wir auch Unterstützung von der lokalen Niederlassung von «Olam», einem weltweit tätigen Agribusiness.

In dieser letzten Phase des Projektes durfte ich im Rahmen einer Machbarkeitsstudie 10 Kakao-Zwischenhändler mit rund 470 Kakaobauern schulen. Es war eine äusserst spannende Erfahrung, nun auch im Namen des «Lindt & Sprüngli Farming Programs» zu den Kakaobauern zu reisen und sie schulen zu dürfen. Es bereitete mir sehr grosse Freude, Wissen weiterzugeben und das Interesse seitens der Bauern zu spüren.

Diese Schulungen, welche in Theorie und Praxis aufgeteilt wurden, fanden an den verschiedensten Orten in Ecuador und zu unterschiedlichsten Bedingungen statt: Zum Beispiel an der Strasse, auf dem Feld oder beim Kakao-Zwischenhändler, wo gerade Kakao getrocknet wurde. Es erforderte höchste Konzentration, nicht nur für mich, sondern auch für die Bauern, sich vom umgebenden Lärm nicht ablenken zu lassen. Mit einem «Lindt-Schoggitäfeli» als kleinem Energiekick klappte es aber sehr gut. Der Wissenstransfer ging auf beide Seiten und ich durfte erfahren, wie die Bauern den Kakao zu einem Schokoladengetränk verarbeiten. Das Highlight beim praktischen Teil war die Kakaolikör-Degustation bei der wir Theorie und Praxis verknüpfen konnten. Hier hatte jeder Kakaobauer die Chance, bei richtigen Antworten ein T-Shirt mit der «Lindt & Sprüngli Farming Program»-Aufschrift zu gewinnen. Am Ende der Schulung durfte dann jeder Kakaobauer spezielle Jutesäcke, die vom »Lindt & Sprüngli Farming Program» zur Verfügung gestellt wurden, als Bonus in Empfang nehmen. Diese können zielführend für die Kakaobohnenfermentation verwendet werden.

Kakaosäcke aus Ecuador
Kakaosäcke für die Bauern in Ecuador

Gerne erzähle ich hier von zwei Personen, die ich oft im Rahmen des Projekts oder aber auch privat mit Familie und Freunden besuchen durfte:

Pepe, ein Kakao-Zwischenhändler in Flavio Alfaro, Manabí, eher im Norden des Landes, ist mit Leib und Seele im Kakaogeschäft tätig. Ich kenne ihn nun schon seit zwei Jahren und durfte ihn schon etliche Male besuchen. Eines Tages stand ein neuer Trockner in seinem Hinterhof. Voller Stolz zeigte er mir die neue Errungenschaft, den gelb gestrichenen Trockner mit grosser Aufschrift «Lindt» und dem Logo des «Lindt & Sprüngli Farming Program». Dieser vom Programm finanzierte Trockner ermöglicht es ihm, die grosse Kakaomenge auch während der Regenzeit zu trocknen und so einem Schimmelbefall entgegenzuwirken. Bei Pepe spürt man nicht nur seine grosse Motivation und Interesse an Optimierungen am Nachernteprozess, sondern auch, dass ihm eine gute Beziehung zu den Bauern sehr wichtig ist. Man merkt bei ihm, dass er nach dem Motto «Gemeinsam können wir etwas erreichen», lebt. Das zeigte er auch, als er vor den Schulungen extra ein Zeitfenster beim Radio «Milenio» (Regionalradio in Flavio Alfaro) reserviert hatte. Wir unterhielten uns vor dem Mikrofon über das «Lindt & Sprüngli Farming Program», darunter den Programminhalt, Bedingungen für eine Mitgliedschaft, Projektvorstellung und Schulung. Zudem rührte Pepe die Werbetrommel und lud noch mehr Bauern und sogar das ganze Dorf ein, an der Schulung teilzunehmen. Am Schulungstag selbst begrüsste Pepe die Bauern persönlich und motivierte sie, aufmerksam zuzuhören. Ja, Pepe ist mit Herzblut dabei und es freut mich jedes Mal sehr, ihn zu besuchen und zu merken, wie sehr er hinter seinem Geschäft und dem Programm steht.

Kakaogeschäft in Ecuador
Mit Leib und Seele im Kakaogeschäft tätig

Auch Roman José, ein stolzer Kakaobauer in der Nähe von Duran, Guayas erzählt enthusiastisch aus seiner Kakaowelt. Auch ihn durfte ich schon einige Male besuchen. Meiner Familie wie auch Freunden aus der Schweiz zeigte er zufrieden und begeistert nicht nur seine Finca, sondern auch sein Equipment, das er vom «Lindt & Sprüngli Farming Program» erhalten hatte. Diese Werkzeuge unterstützen und erleichtern seine tägliche Feldarbeit und tragen schliesslich auch dazu bei, die Kakao-Produktivität zu erhöhen. Es freut mich sehr, seine Power, seine Zufriedenheit und seine Motivation zu spüren.

Auf einer Kakaofarm
Erhöhte Produktivität auf den Farmen

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Ich hoffe trotzdem, dass ich Ihnen, liebe LeserInnen, einen kleinen Einblick in die ecuadorianische Kakaowelt geben konnte. Zusammenfassend möchte ich sagen, es ist schön zu wissen und direkt vor Ort zu sehen, was das «Lindt & Sprüngli Farming Program» bei den Bauern und bei Kakao-Zwischenhändlern schon alles bewirkt hat und sicher noch weitere Kreise ziehen wird. Dass ich im Rahmen des ZHAW Projektes ein Teil davon sein darf, freut mich sehr!

 

Über den Autor

Stefanie Streule

Wissenschaftliche Assistentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und arbeitet seit zwei Jahren in Ecuador an einem Forschungsprojekt über den Nachernteprozess von Kakao.